Unbekanntes RTTY-Signal untersuchen: RTTY Online misst zuerst die beiden FSK-Töne direkt im Audiosignal, bestimmt daraus die Symbolzeit (Baudrate) und vermisst den tatsächlichen Frequenzabstand. Erst danach werden Normal/Revers und mehrere Zeichenformate geprüft: ITA2/Baudot sowie ASCII 7N1, 7E1, 7O1 und 8N1. Zusätzlich prüft die Experimentalversion synchrone 7-Bit-FSK-Strukturen der CIS/T600-Familie sowie synchrone 50-Baud/850-Hz-FSK-Signaturen. Bei 50/850 wird zusätzlich nach 14- und 21-Bit-Rahmenperioden und den dazu passenden Marker-Rekursionen gesucht, wie sie bei Fleet-Broadcast- und Marinedatencodes vorkommen. Der Text beeinflusst Baudrate und Shift nicht.
Die Senderkategorie ist keine Identifikation des Absenders. Die Codeanalyse prüft die formale Rahmen- bzw. Bitstruktur; lesbarer Text dient nur als zusätzliches Indiz. Eine Meldung „CIS/T600-kompatibel“ bedeutet nur, dass 50 Baud, etwa 200 Hz Shift und die synchrone 7-Bit-Struktur zusammenpassen. Entsprechend bedeutet „50/850-FSK · Fleet-Broadcast/Marine-kompatibel“ nur, dass die technische Signatur passt und normale ITA2/ASCII-Dekodierung nicht überzeugt. Ein bestimmter Betreiber wird daraus nicht abgeleitet. Reichen die Hinweise nicht aus, bleibt das Ergebnis bewusst offen.
ITA2 · 1 Startbit · 5 Datenbits · 1,5 Stopbits. Baudrate, Shift und Mittenfrequenz entsprechen den Einstellungen oben.
RTTY empfangen und dekodieren
RTTY (Radio Teletype, deutsch: Funkfernschreiben) überträgt Text, indem zwischen zwei Audiotönen umgeschaltet wird. MARK ist der Ton für den Zeichenzustand, SPACE der zweite Ton beziehungsweise Zwischenraumzustand. Der Frequenzabstand zwischen beiden heißt Shift .
- Audio starten: Mit AUDIO START beginnt der Empfang sofort mit dem zuletzt verwendeten Eingang. Nur wenn du einen anderen Eingang verwenden möchtest, öffnest du AUDIOQUELLE . Dort kannst du Mikrofon, Line-In oder ein virtuelles Audiokabel wählen. Ein virtuelles Audiokabel leitet den Ton eines SDR-Programms intern an RTTY Online weiter.
- Baudrate und Shift einstellen: Die Baudrate gibt an, wie viele Signalschritte pro Sekunde übertragen werden. Typische Werte sind 45,45, 50, 75, 100, 110, 150, 200 oder 300 Baud. Über „VARIABEL“ kann auch eine andere Baudrate direkt eingegeben werden. Der Shift ist der Abstand zwischen MARK und SPACE in Hertz (Hz).
- Signal abstimmen: Im Wasserfall wird das Audiospektrum über die Zeit sichtbar. Die beiden roten Linien markieren MARK und SPACE. Ziehe sie gemeinsam mit Maus oder Finger auf die beiden Signalspuren. AUTOMATIK versucht diese Abstimmung einmalig automatisch.
- Feinabstimmung: Die XY-Abstimmanzeige stellt MARK und SPACE gegeneinander dar. Eine klare kreuzartige Figur zeigt, dass beide Töne gut getroffen werden. AFC (Automatic Frequency Control, automatische Frequenznachführung) gleicht kleinere Frequenzabweichungen nach. REVERS vertauscht MARK und SPACE, falls ein Signal umgekehrt empfangen wird.
- Text lesen und archivieren: Der dekodierte Text erscheint in der Fernschreiber-Anzeige. Beim Zurückscrollen bleibt deine Leseposition erhalten. Mit EMPFANG ARCHIVIEREN und EMPFANGSORDNER werden Empfangssitzungen automatisch als Textdateien in Tagesordnern gespeichert. Reine RY-Testzeilen werden nicht archiviert; wiederholte CQ- und FREQUENCIES-Kopfzeilen derselben Sitzung werden nur einmal gespeichert.
- WAV-Datei: Über WAV kann eine vorhandene Audioaufnahme dekodiert werden. Der Testgenerator unten erzeugt ein kontrolliertes RTTY-Signal, mit dem sich Decoder und Einstellungen prüfen lassen.
- DWD RTTY Daten: Hier kannst du die Sendepläne des Deutschen Wetterdienestes abrufen. Dort findet du auch die Werte für Baudrate und Shift.
Tipp: Wenn Zeichen falsch oder unlesbar erscheinen, zuerst Baudrate und Shift prüfen, danach MARK/SPACE im Wasserfall exakt auf die beiden Signalspuren legen. Falls das Signal trotzdem spiegelverkehrt dekodiert wird, REVERS einschalten.